Corona-Frühwarnsystem und Teststrategie erweitern und transparent gestalten

29. Mai 2020

 

Es hat sich gezeigt, dass die Parameter der SARS-CoV-2-Pandemie wie z.B. Anzahl der Infizierten, Dunkelziffer an Infektionen oder die Reproduktionsrate regional doch sehr unterschiedlich sind. Daher entscheiden verstärkt die einzelnen Länder über die zu treffenden Maßnahmen, um das Infektionsgeschehen einzudämmen. Daher halten wir es für erforderlich, ein klar definiertes Multi-Parameter-Frühwarnsystem in Bayern einzuführen. Ein ganzes Indikatoren-Set, das klar definiert ist und dennoch regionale Gegebenheiten berücksichtigt und auf diese schnell reagiert, ist ein wichtiger Baustein. Aktuell fehlt bei der Vorgehensweise in Bayern die Grundlage, das Vorgehen der Gesundheitsämter ist nicht transparent genug und nicht klar definiert. Die erhobenen und ausgewerteten Daten sind uneinheitlich und die Indikatoren sind für die Öffentlichkeit unbekannt.

 

Wichtige Parameter sind u.a. die Anzahl der Neuinfektionen bzw. der 7-Tage-Inzidenz-Rate, die Reproduktionszahl R, die Epikurve nach Erkrankungsbeginn bzw. Neuerkrankungen (auch z.B. wie viel Prozent der Tests positiv beziehungsweise negativ sind, an welchem Tag getestet wurde usw.), prozentuale Veränderung der Fallzahlen im Vergleich zum Vortag (Basis: gleitendes 7-Tages-Mittel), die Anzahl der Betten und der Anteil belegter Betten (Allgemein- und Intensivbetten und Intensivbetten mit einer Beatmungsmöglichkeit), die regionale Altersverteilung sowie Daten zur Hospitalisierung sowie eine Einschätzung wie viele Infizierte eine intensivmedizinische Behandlung benötigen könnten. Einen entsprechenden Antrag dazu habe ich im Landtag gestellt.

 

 

Die umfassende Test-Möglichkeit, die genaue Nachverfolgung der SARS-CoV-2-Fälle sowie die aktuelle und möglichst exakte regionale Einschätzung des Bedarfs an Kapazitäten intensivmedizinischer Versorgung ist das Nadelöhr in der Beherrschung der Pandemie. Ziel ist die klare Transparenz über erhobene und ausgewertete Parameter und Kapazitäten des Gesundheitssystems vor Ort.

 

 

Testen zielgerichtet ausweiten, neue Infektionen rechtzeitig entdecken

 

Seit Wochen fordern wir Grüne im Landtag, dass die Teststrategie der Staatsregierung überdacht werden muss. Die vorhandenen Testkapazitäten wurden bisher nicht ausgeschöpft. Um einen zweiten exponentiellen Anstieg der COVID-Fallzahlen in der Bevölkerung frühzeitig erkennen und schnellstmöglich eindämmen zu können, müssen Neuinfizierte möglichst früh identifiziert werden. Deren Isolierung sowie die Ermittlung der Kontaktpersonen und Quarantänemaßnahmen bei engen Kontakten sind von immenser Wichtigkeit.

 

Deshalb ist eine breite und gleichzeitig zielgerichtete Testung nötig. Wir fordern, nicht nur Personen mit Beschwerden zu testen (Testung symptomatischer Personen entsprechend der RKI-Empfehlung), sondern auch ausgewählte symptomfreie Personen zu testen, die potenziell häufig Kontakt zu SARS-Cov-2-Infizierten haben könnten. Dazu gehören besonders gefährdete asymptomatische Personen in medizinischen Einrichtungen bzw. Pflegeeinrichtungen, sowie Personen, die in Firmen mit zahlreichen Corona-Fällen, in Kitas, in Gemeinschaftsunterkünften und Flüchtlingsheimen arbeiten oder leben. Überall dort wo ein Mindestabstand und/oder das Tragen einer Maske nicht immer eingehalten werden kann.

 

Ziel dieser Teststrategie ist, zielgerichtet asymptomatische Virusträger und Personen in der Prodromalphase zu erfassen, sowie Erkrankungshäufungen bzw. Cluster schnell zu ermitteln und frühzeitig eine Isolierung von Virusträgern und Erkrankten umzusetzen.

Außerdem ist dafür zu sorgen, dass die Kosten für die Testungen vom Freistaat Bayern übernommen werden, sofern keine Kostenübernahme auf der Bundesebene sichergestellt wird.