Hitze bedroht unsere Gesundheit

 

 

Am 3. Juli habe ich zusammen mit meinem Kollegen Patrick Friedl und Prof. Dr. med. Christoph Maak über die Risiken der Hitze durch den Klimawandel, auch über die gesundheitlichen Folgen, gesprochen. Hier findet ihr das komplette Video. Patrick Friedl MdL ist der Sprecher für Naturschutz und Klimaanpassung und Prof. Dr. med. Christoph Maack ist Sprecher des DZHI (Deutsches Zentrum für Herzinsuffizienz) am Universitätsklinikum Würzburg.

 

In diesem Webseminar haben wir konkret nach den gesundheitlichen Aspekten gefragt: Was macht Hitze mit unserem Körper? Was macht Hitze mit unserer Denk- und Arbeitsfähigkeit? Wie reagieren wir auf größere Temperaturschwankungen? Welche gesundheitlichen Auswirkungen spüren wir heute und welche sind zu erwarten, wenn das Klima aufgrund des fortschreitenden Klimawandels instabiler wird? Mit diesen Fragen und der Kernfrage, wie wir uns an die klimatischen Gegebenheiten so anpassen können, dass wir die gesundheitlichen Folgen minimieren, beschäftigt sich das Webseminar: „Hitze bedroht“.

 

 

Während sich die Bayerische Staatsregierung auf die Zuständigkeit der Kommunen herausredet (Subsidiarität) und einen klaren Handlungsauftrag ablehnt, leiden immer mehr Menschen an den – zum Teil tödlichen – Folgen von Extremwetterlagen, insbesondere unter Hitze.

 

 Mehr zu meinem Kollegen Patrick Friedl findet ihr HIER. Er ist der Sprecher für Naturschutz und Klimaanpassung in der grünen Fraktion im bayerischen Landtag. 

Wir Grüne setzen uns für wirksame Maßnahmen zur  Klimaanpassung ein

Die Zahl von Hitzeperioden im Sommer hat in den letzten Jahren zugenommen. Sie dauern länger und bringen immer höhere Temperaturen mit sich. Vor allem Kinder, Senioren, Menschen mit Behinderungen, kranke und pflegebedürftige Menschen sind davon betroffen.

 

Herz-Kreislauf-Erkrankungen:

In den Hitzeperioden, wie wir sie in den Sommern 2018 und 2019 erlebt haben, kam es zu einem signifikanten Anstieg von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Hitzschlag, Herzinfarkt und Nierenversagen aufgrund von Flüssigkeitsmangel. Dabei geht von einzelnen Hitzetagen, sprich Tagen mit 30 Grad und mehr, weniger Gefahr aus als von längeren Hitzeperioden. Ab einer Wochenmitteltemperatur von 20 Grad steigen die Todeszahlen, besonders unter älteren Menschen merklich an. In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen entsteht ein erhöhter Betreuungsbedarf und ein zusätzlicher Zeitaufwand um z.B. Patient*innen vor Dehydrierung zu bewahren. Eine Herausforderung beim derzeitigen Mangel an Pflegepersonal.

 

UV-Strahlung:

Die Zahl der Tage mit erhöhten UV-Werten steigt und dies teils schon im April, da die extremen Wetterbedingungen bereits früh im Jahr sogenannte Mini-Ozonlöcher hervorrufen können. Übermäßige UV-Bestrahlung erhöht nicht nur das Risiko des „Grauen Stars“, auch die menschliche Haut kann nachhaltige Schäden davontragen. Hierzu gehören vorzeitige Hautalterung und Hautkrebs. So hat der weiße Hautkrebs bei den Menschen ab 50 Jahren deutlich zugenommen, aber auch der schwarze Hautkrebs, der deutlich gefährlicher ist, fordert in Deutschland jedes Jahr rund 3000 Tote. Viele Menschen können sich schützen, aber was ist mit unseren Landwirten, Erntehelfern, Bauarbeiter, Gemeindearbeiter, Gärtner u.a.?

 

Ozon Gas:

Bei der Entstehung von bodennahem Ozon spielen lange, intensive Sonnenstrahlung und verschiedene Schadstoffe in unserer Luft eine Rolle, die bspw. durch den Straßenverkehr, Kraftwerke oder Lösungsmittel in Farben und Lacken freigesetzt werden. Eine zu hohe Konzentration des Gases ist für Menschen und Tiere gefährlich, da es Atemwege, Augen und Schleimhäute reizen kann. Der Jahresmittelwert der Ozonbelastung ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Ozon ist ein giftiges Gas, auf das ca. 10 Prozent der Bevölkerung besonders empfindlich reagiert. Es kann die Lungenfunktion und die körperliche Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigen. Je höher die Konzentration von Ozon in der eingeatmeten Luft ist und je länger man dem Ozon ausgesetzt ist und je größer das Luftvolumen ist, das während einer Minute ein- oder ausgeatmet wird, desto massiver sind die gesundheitlichen Auswirkungen. Vor allem Säuglinge, Kleinkinder, Asthmatiker, Menschen mit Lungen- oder Herzkreislauferkrankungen sowie ältere Menschen sind besonders gefährdet. Atemwegserkrankungen sind die Folge. Langfristig wird der Selbstreinigungsmechanismus der Bronchien vermindert, Lungengewebe geschädigt wodurch Asthma entstehen kann und Allergien begünstigt werden. Eine Studie der Augsburger Universitätsmedizin hat nachgewiesen, dass mittelhohe bis hohe Ozonwerte in Bodennähe in Zusammenhang mit der Zahl an Herzinfarkten stehen. Der Aufenthalt und körperliche Anstrengungen im Freien sollte bei hohen Ozonwerten daher vermieden werden.

 

Atemwegserkrankungen:

Begünstigt werden Atemwegserkrankungen auch durch Qualm und Rauch, der durch die vermehrten Waldbrände im Sommer verursacht wird. Der Qualm und Rauch kann viele Kilometer zurücklegen und auch in Regionen gelangen, die nicht unmittelbar vom Waldbrand betroffen sind. Atemwegserkrankungen und schlechte Luftqualität sind die Folge. In 152 Ländern gab es zwischen 2015 und 2018 bereits mehr Waldbrände als in den Jahren zwischen 2001 und 2004.

 

Mangelernährung:

Pro Grad Erderwärmung sinkt die weltweite Weizenernte um ganze sechs Prozent. Grund dafür sind extreme Wetterereignisse wie Starkregen, Hagel oder Dürre. Ernten fallen aus, Pflanzenschädlinge verbreiten sich und Wasser wird knapp. Lebensmittelkrisen lassen sich auf die Folgen des Klimawandels zurückführen. Rund 800 Mio. Menschen sind unterernährt und diese Zahl wird weltweit steigen.

 

 

Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen brauchen genug Personal, der Katastrophenschutz und die Rettungsdienste müssen gestärkt und kommunale Hitzeaktionspläne erstellt werden.

Infektionskrankheiten:

Schon jetzt gibt es bei uns Krankheiten, die bisher nur in den Tropen auftraten. Es gibt erste Fälle von Dengue-Fieber auf den Kanaren und Madeira. Je feuchter und wärmer es wird, desto wohler fühlt sich die asiatische Tigermücke, die das Virus überträgt. In Frankreich gab es bereits Zika-Fälle und auch hier in Deutschland wurden bereits 2019 erste Fälle des West-Nil-Virus registriert. Laut den Forschern werden wir in Europa aufgrund des Klimawandels mit immer mehr tropischen Krankheitserregern konfrontiert. Neue Erkrankungen werden häufiger auftreten, die Zahl der Infektionskrankheiten wird steigen und damit auch die Zahl der Menschen, die daran sterben. Auch Viren wie das Corona Virus könnten eine Folge des nicht artgerechten Umgangs mit unserer Umwelt sein. Forschungen deuten darauf hin, dass z.B. durch die Abholzung des Regenwaldes und das Eindringen in Wildtierregionen Viren freigesetzt werden, die bisher nicht bekannt waren.

Oder zum Beispiel die Rötelmaus, die das Hantavirus überträgt. Die Rötelmaus, die sich in hohem Maße von Eicheln und Bucheckern ernährt, vermehrt sich besonders in Mastjahren, in denen übermäßig viel davon produziert wird. Mastjahre werden durch klimatische Ereignisse wie trockene, heiße Vorjahressommer ausgelöst. Je mehr Rötelmäuse es gibt, desto mehr schlägt sich das in der Zahl der Hantavirus Erkrankungen nieder. Die Hantaviren werden mit dem Kot der Tiere ausgeschieden, als Staub aufgewirbelt und dann über die Atemwege aufgenommen. Es ist davon auszugehen, dass anhaltende Trockenperioden das Infektionsrisiko zusätzlich steigern.

 

Allergien:

Die Belastung mit Allergenen nimmt klimabedingt zu. Die Blütezeit und die Pollenflugsaison verlängern sich aufgrund der warmen Temperaturen. Die Pollenflugsaison hat sich in den Jahren von 1985 bis 2015 um zehn Tage gesteigert. Neue Pflanzen kommen hinzu, werden heimisch und bringen ganz andere, neue Pollen mit sich, wie z.B. die stark allergieauslösende Pflanze Ambrosia. Die Zahl der Allergien und Allergiker wird zunehmen. Aktuell leiden in Bayern nach Schätzungen des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mehr als zwei Millionen Menschen an einer Allergie oder an Überempfindlichkeitsreaktionen.

 

 

Wir Grüne setzen uns für wirksame Klimaanpassungsmaßnahmen ein und für Frühwarnsysteme, die rechtzeitig vor Hitze und Extremwetterereignissen warnen. Wir setzen uns dafür ein, dass Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen mit mehr Personal ausgestattet, der Katastrophenschutz und die Rettungsdienste gestärkt und kommunale Hitzeaktionspläne erstellt werden.